Dakar: Der staubigste Imbiss der Welt

22 Januar 2014

Dakar: Der staubigste Imbiss der Welt

Der materialquälende Sand-, Staub- und Geröllmarathon Dakar ist vorbei. Auch in diesem Jahr wurde wieder eine unglaubliche Menge an Nachrichtentexten, Fotos und Videos veröffentlicht, und auch wir haben unseren Teil dazu beigetragen, indem wir berichteten, was rund um “unsere” Fahrer – oder auch die Rallye allgemein – so passiert ist.

Zu welcher Monsterveranstaltung sich die einstige Rallye Paris-Dakar seit 1978 gemausert hat, sieht man sehr gut an ebendieser Berichterstattung. Bei uns bekommt man die “Dakaromanie” nicht in voller Breitseite ab, anders als in Ländern, wie zum Beispiel Portugal, wo schon in den Morgennachrichten die aktuellen Ereignisse und Platzierungen durchgegeben werden – auch wenn wir uns größte Mühe gegeben haben, Euch so gut es geht auf dem Laufenden zu halten -, aber Hubschrauberaufnahmen, animierte Karten mit Echtzeiteinblendungen der Fahrer, Tag- und Nachtaufnahmen von allen möglichen und unmöglichen Stellen in der Wüste lassen erahnen, welch irrsinniger Aufwand dort betrieben wird.

Das ist gut für uns, die wir im (verhältnismäßig) kalten und verregneten Deutschland sitzen. Aber doch auch irgendwie ein Stück weit unpersönlich. Wäre es nicht mal interessant zu wissen wie es ist, dabei zu sein, bei einer der legendärsten Rennsportveranstaltungen unserer Zeit? Die Hitze der Wüste zu spüren, das Dröhnen der bis an ihr Limit hochgezüchteten Motoren zu hören, welches den frenetischen Jubel der Fans für kurze Augenblicke überlagert? Zu sehen, wie die Fahrer in einem unwirklichen Tempo durch unwirkliche Landschaften jagen oder sich Zentimeter um Zentimeter durch den Sand quälen?

Nun, das können wir in der Form leider auch noch nicht bieten. Irgendwann mal vielleicht, wenn die Technik weiter ist. Was wir aber bieten können, ist ein persönlicher Eindruck aus erster Hand, in Wort und Bild, geliefert von Martin Leonhardt von freiheitenwelt.de.

Martin hat Ende 2013 seine Zelte in Deutschland abgebrochen, alles verkauft und ist mit seiner KTM seither auf unbestimmte Zeit – das Angesparte reicht für geschätzte drei Jahre, die wird er also mindestens unterwegs sein – auf Weltreise. Der Ausgangspunkt seiner Reise war Südamerika zur Zeit der Rallye Dakar. Die ließ er sich, wie es wohl jeder mit Benzin im Blut und der Möglichkeit sich das in persona anzuschauen getan hätte, natürlich nicht entgehen.

Er beschreibt das staubige Spektakel so:

“Und dann steht sie auch schon vor mir – die Polizei. Ein Polizeiwagen steht quer auf der Schotterpiste. Der Zugang zu meinem Viewpoint ist versperrt. 50 Kilometer vom Startpunkt der Tagesetappe entfernt. “Verdammt”, denk ich mir, “wär ich nur früher angereist!” Zu meinem erstaunen winkt mich einer der Polizisten zu sich, mit dem Motorrad. Noch wundernd über die Aufforderung manövriere ich mein Motorrad durch den Graben, auf die andere Seite des Polizeiwagens. “Como esta? Donde vive? Que buena moto!”, bekomme ich zu hören. Also wie gut es mir geht, woher ich komme und (einmal mehr) dass mein Motorrad schön sei. Der Polizist strahlt mich über alle Ohren an und gibt mir zu verstehen, dass die Strecke für mich frei gegeben ist. “Buena suerte en la carrera!”, hör ich ihn noch sagen, bevor er im Rückspiegel verschwindet.”

“Nochmal langsam! Hat mir der gute Mann eben, “Viel Glück beim Rennen”, gewünscht? Hat er wirklich gemeint ich wäre Teil der Rally? Meine KTM hat zwar schon einen gewissen Offroad Charakter – aber echte Rallymotorräder und deren Fahrer sehen schon etwas anders aus.”

“Nach knapp einer halben Stunde endet dann auch schon meine Etappe. Eine weitere Polizeisperre! Die zwei Beamten vor Ort schauen mir verdutzt hinterher als ich an ihnen vorbei fahre. Ich halte gar nicht erst an und erspare mir somit eine mögliche Erklärungsnot.”

“Knapp eine Stunde später hört man die ersten Motorengeräusche von Hubschraubern. Nun hält es niemand mehr auf seinem Sitz und die vielleicht 100 Zuschauer drängen sich zum Ufer des trockenen Flusses. Noch immer ist nicht klar, welche Route die Fahrzeuge einschlagen. In der Ferne kann man erste Staubwolken erblicken und die Stimmung steigt sichtlich an. Das erste Motorrad kommt uns entgegen. Der Motor des Einzylinders brüllt regelrecht. Ich weiß gar nicht was ich mehr bestaunen soll. Den Rennfahrer oder all die Menschen um mich, die von einem Moment auf den anderen in Partystimmung gekommen sind.”

“Nach den Motorrädern folgen die Quads, welche Unmengen von Staub aufwirbeln. “Dustmaker” werden sie deswegen auch gerne genannt. Einer der Quadfahrer bleibt direkt neben der Strecke stehen. Er spricht deutsch und wir quatschen ein wenig. Zum ersten Mal wird mir bewusst, wie nahe man dem Rennen, der Rally, eigentlich sein kann.”

“Bei den Zweirädern ist offensichtlich festzustellen, wie das Fahrkönnen mit steigender Startnummer kleiner wird. Während die ersten Fahrer die 90° Kurve mit einem fast schon lässigem Drift passieren, um danach mit Vollgas und im Wheely weiter zu fahren, haben spätere Piloten sichtlich Probleme mit der Kurve. Einige fahren daran vorbei, andere wiederum passieren langsamer als ein Mofa und ein Pilot stürzt sogar. Zur späteren Stunde wird die Anzahl an Motorrädern und Quads merklich geringer.”

“Außer Rand und Band springt der “Amigo” vor mir herum und freut sich tierisch, wenn ich meine große Nikon auf ihn richte. Seine Freunde amüsieren sich auch köstlich darüber.”

“Staub und Dreck klebt mir auf der Haut und ich bin im Schweiß gebadet. Aber das stört hier niemand, sind wir ja schließlich, umsonst und draußen, live dabei bei der Rally Dakar 2014. Es gibt also tatsächlich auch einen Imbiss neben der Rennstrecke.”

“Zwei junge Mädchen stehen am Straßenrand. Sie winken mir zu, werfen mir Handküsse hinterher und feiern ebenfalls die Dakar. Überall stehen Gruppen von Menschen neben der Straße. In bester Partylaune, freuend über die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Die “Special Stage” ist vorüber und die Fahrer lassen sich Zeit. Frei nach dem Moto: “Das beste kommt zum Schluss!”, werde auch ich gefeiert. Was habe ich denn getan? Ich bin doch nur ein Tourist!”

Links:

Die beiden kompletten Artikel zur Dakar und mehr über Martin, seine Reise und deren Fortschritt auf: freiheitenwelt.de

PS: Zusätzlich kann man sich auch von Martin selbst erzählen lassen, was er bisher so alles erlebt hat, im Pegaso Podcast #59.

Fotos und zitierter Text: Martin Leonhardt

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